22 Juni 2017

Picknick am schönen Fluss


Nach den letzten drei großen Runden hatten wir mal wieder Lust auf eine kürzere Levadawanderung. Und da wir sowieso gerade im Norden unterwegs waren, bot sich die Levada do Rei - Königslevada -an.



Eine kurze Wanderung zu einem der schönsten Täler im Innersten eines intaktakten Lorbeerwalds. Die Kronen von Madeira-Mahagoni und Lorbeerbäumen schließen ein dichtes Dach über dem Weg. Farne aller Arten brechen aus den grünen Wänden, Moos breitet einen weichen Teppich über hartes Gestein. Und dann sitzt da doch eine Nymphe im Fluss ...


... ein bisschen wie im Märchen. 

Sie hat jedoch nach den Fotoposen für ihren Freund auch ein Picknick an diesem herrlichen Platz gemacht. Auf dem reizvollen Weg bis zur Quelle war es zwar nicht ganz so einsam, aber immer noch schön still unter den Pflanzenvorhängen.









seht ihr den Quellgeist?




Fazit: kurze, einfache Levadawanderung, keine Tunnel, Regenschutz ist im Winter für die Wasserfälle sinnvoll
leider ziemlich stark frequentiert
Im Rother- Wanderführer, Ausgabe 2017,  Nr. 30

Gehzeit ohne Pausen: 2 1/2 Stunden hin und zurück

Anfahrt: Funchal - Santana - São Jorge - dem Schild "Watermill" folgen - dann weiter geradeaus bis zur Wandertafel

21 Juni 2017

Trail da Natureza


Porto da Cruz - Cruz - Vereda da Terra da Baptista - Levada do Furado - Levada da Portela - Larano - Porto da Cruz - 20 km 

Porto da Cruz im Nordosten der Insel ist eins unserer Lieblingsziele für ein Wochenende. Entspannung am Meer, Trailrunning und schöne Wanderstrecken. Die Rundkurse, die als Trainingsstrecken für Trail-Läufer dienen sind sehr abwechslungsreiche Strecken auf kleinen Veredas und Treppenwegen durch die Gemeinden, auf Waldpfaden, mal steil bergauf/bergab, mal gemütlich, und oft entlang kleiner Levadas.




Wir starten direkt an der Quinta da Vila - eigentlicher Ausgangspunkt ist der zentrale Parkplatz nahe der Rumfabrik. Dort steht unübersehbar ein großes Schild mit allen möglichen Trails. Alle führen über den Caminho do Massapez aus dem Dorf heraus und hoch nach Cruz. 





An der Bar Adega da Cruz (240 m) folgen wir dem Hinweis: Levada do Castelejo, überqueren die Levada (300 m) und kommen kurz darauf an den Waldpfad, der sich bis zur Levada do Furado (860 m) hoch zieht. Bald entdecken wir Spuren von Bikern und während wir uns noch wundern, kommt auch schon der erste angeprescht. Wir haben uns alle gleichermaßen erschreckt, aber gut reagiert. Weil uns klar war, dass noch einige folgen werden, waren wir etwas unentspannt. Schön ist das nicht, sich solche Wege teilen zu müssen. Nach dem vierten Biker war dann Schluss und das war gut so, denn mittlerweile  hatten wir die Wolken erreicht und damit wenig Sicht.

deutlich erkennbare Bikerspuren

Cabeça Pedreiro

Am Cabeça Pedreiro (792 m) haben wir den Grat erreicht  und der Aufstieg wird angenehmer, weil weniger steil. Am Cabeço Furado (876 m) erreichen wir einen Kreuzungspunkt. Hier gibt es keinen Richtungshinweis. Unsere Idee, links über eine schmalen Waldpfad wenige Meter abzusteigen, erwies sich als richtig. Der Abstieg trifft direkt vor dem Tunnel auf die Levada. 

geradeaus verschwindet die Levada in der Felsspalte, wir kamen von rechts oben

Weiter geht es in Fließrichtung des Wassers, einer der schönsten Abschnitte der Levada do Furado, mit den vielen Felsdurchbrüchen.



Vor dem nächsten Kreuzungspunkt, sehen wir das alte Wasserhaus, wo sich die Levada gabelt. Dann folgen wir dem breiten Fortstweg Richtung Portela und passieren bald den Picknickplatz von Lamaceiros. Bei tiefhängenden Wolken, wie fast immer hier, regnet es unter den Bäumen und zwar nur darunter.  Das bedeutet, dass man auf dem Weg nach Portela eigentlich immer ein wenig nass wird. Dort, wo der Pfad wieder schmal wird, genießen wir dafür die Üppigkeit und Pflanzenpracht.


Portela (605 m) selbst besteht nur aus einem riesigen Aussichtspunkt, wo Blumenverkäufer auf auf Touristenbusse warten, und zwei Gasthäusern, von welchen das kleinere, wenn geöffnet, vorzuziehen ist.

wäre der Himmel blau, dann könnten wir auf den Adlerfelsen schauen


Wir gehen weiter auf dem jetzt als PR 5 ausgeschilderten Weg, entlang der Levada do Portela bis rechts ein schmaler Waldpfad abzweigt. Ein schöner Wald mit viel Lorbeer und viel Farn. Und ein schöner Weg, der sich in sanftem Auf und Ab zwischen den Bäumen hindurch schlängelt. Sehr erholsam!


Dann treffen wir wieder auf den Forstweg, halten uns rechts und gehen wenige Meter bergab. 
Am Picknickplatz zweigt der PR 5 nach links ab und wir sehen eine Hinweistafel "Caminho Pedonal". Vor dieser Tafel stehend, führt der PR 5 weiter nacht rechts. Wir gehen aber links einen schwer zu erkennenden Pfad steil nach oben.
So kommen wir zur Kante der Funduras Berge, die hier 400 m steil ins Meer fallen. Ab hier ist der weitere Verlauf und Abstieg wieder ganz eindeutig erkennbar, weil mit stabilen Holzgeländern in den Steilpassagen gesichert. Vorsicht ist hier geboten: unter dem Laub liegt loses Gestein und die Felsstufen sind rutschig!


einer der wenigen Ausblicke auf die spektakuläre Küstenlinie

Dann tauchen die ersten Felder und Häuser von Larano auf. Kurz nach dem Teleférico verlassen wir die Straße nach links über Treppen. Die kleinen dreieckigen Wegweiser führen uns kreuz und quer über weitere Stufen und Levadas hinunter zum Meer. 



Blick zurück auf die wolkenverhangenen Funduras-Berge


da gehen wir doch lieber zu Fuß

Bambus breitet sich hemmungslos aus




Um die Ribeira Volta zu überqueren darf man ab sofort eine (völlig überflüssige) Brücke benutzen. Dann sind es nur noch wenige Meter bis ans Ziel, wo diverse Strandbars auf durstige Wanderer warten.




Fazit: sehr abwechslungsreiche Runde mit schweißtreibendem Anfangsaufstieg, überwiegend gut beschildert, oft in Wolken




Gehzeit (ohne Pausen): 6 Stunden
Gesamtanstieg: 997 Meter



Anfahrt: Funchal - VR 1 Richtung Machico - weiter auf der VE 5 Richtung Santana - zweite! Ausfahrt Porto da Cruz ( die erste Abfahrt ist seit Mai 2017 gesperrt) - großer Parkplatz im Zentrum

weitere Posts aus dieser Gegend (mit mehr Sonne):




12 Juni 2017

Unsere Königstour 2017

Curral das Freiras - Fajã Escura - Relvinhas - Pico Grande - Pico do Cerco - Pico do Jorge - Vereda da Encumeada - Boca das Torrimhas - Fajã dos Cardos - 14,3 km



Es gibt auf Madeira Wege, die sehr alpin anmuten und dem Wanderer einiges abverlangen, auf überraschende Weise aber immer wieder dem Namen "Blumeninsel im Atlantik" gerecht werden.
Es sind alte Verbindungen durch die Bergwelt, manchmal kaum noch auffindbar. Welch ein Glück, wenn man zur rechten Zeit erfährt, dass da ein Trupp von Engagierten durchgegangen ist, um die Pfade wieder sichtbar zu machen. Dann heißt es, nicht zu lange zu warten, bis die Natur das Terrain wieder vereinnahmt.
Für unsere große Runde heraus aus dem Nonnental, hinauf auf den Pico Grande, hinüber auf die lange Bergkette, die sich im Norden entlang der Insel erstreckt und wieder hinunter in den von bizarren Gipfeln eingekreisten Talkessel Curral das Freiras, brauchten wir also nur auf eine stabile Wetterlage zu warten.

Start ist der letzte Ausläufer des Nonnentals, dort wo es nur noch zu Fuß weitergeht. Das Auto bleibt in Colmeal, wir laufen bis and Ende der Straße in Fajã Escura, wo der Wanderweg gleich hinter der letzten Bar beginnt. 



Es ist ein heißer Tag im Juni und wir sind über die schattenspendenden Obstbäume sehr dankbar. Ein Bauer erntet gerade Reineclauden und spendiert uns welche für den Aufstieg. Weiter oben sind es die Kastanienbäume, die ein wenig von der Hitze nehmen, die aus dem Talkessel aufsteigt. 





Der Weg ist in gutem Zustand und trotz der Hitze angenehm zu gehen, ein kleiner Erdrutsch kann problemlos passiert werden. Kurz unterhalb von Relvinhas gibt es eine kleine Quelle (die einzige auf dem ganzen Weg), wo wir die erste leere Wasserflasche wieder auffüllen können.
Auf dem kleinen Plateau von Relvinhas, meu lugar mágico, legen wir nach knapp zwei Stunden die erste Pause ein, um Energie für den weiteren Aufstieg Richtung Pico Grande zu tanken. 

Nachdem die schwierige Felspassage zu Beginn des Aufstiegs "ausgebaut" und gesichert worden ist, hat sich die Wanderstrecke Boca da Corrida - Pico Grande, die wir ab hier verfolgen, zu einer vielbegangenen Tour entwickelt. Wir sind es gar nicht mehr gewöhnt, so vielen Menschen auf unseren Wanderungen zu begegnen. Da kommt uns eine Gruppe entgegen, von denen viele so aussehen, als wären sie gar nicht freiwillig hier oben. Ein wenig verstehen kann ich das schon, denn auch mir macht der Auf- und Abstieg zum Pico Grande immer ein bisschen zu schaffen.

Den Gipfelsturm auf die Felsenkopf schenken wir uns diesmal, weil zum einen wieder mal viel los ist da oben und wir außerdem die Kräfte für unseren weiteren Weg brauchen. Wir finden im zweiten Anlauf den Abzweig (gelb markiert) nach rechts, Richtung Pico Cerco.

der gesuchte Pfad unterhalb des Pico Grande (östlich)


Da begegnet uns (zum letzten Mal für heute) ein Wanderpaar, die vom Pico Jorge kommen und bestätigen, dass der Bergweg anstrengend, aber gangbar wäre. 

der Pico do Jorge ragt aus dem Wolkenfall heraus

Wir passieren ein kleines Ginsterfeld unterhalb des Pico Grande, dann sehen wir die ersten Steintreppen, die den Beginn des felsigen Abstiegs markieren.



Es gibt ein paar neue Seilsicherungen, der Abstieg ist aber nicht gefährlich, man muss nur gut auf seine Füße achten. Dann sind wir wieder im Ginster, doch hier wurde fleißig gehackt. Der Weg ist eindeutig erkennbar. 

Steinstufen im Fels

der immer wieder beeindruckende Wolkenfall über die nördliche Bergkette

der Abstieg ist gut erkennbar

am besten geht es mit einem Wanderstock und Handeinsatz



der Weg drückt sich eng zwischen den Felsen durch

...und bleibt immer eng an der Wand

immer noch dicht am Fels

der Ginster wurde kräftig weggehackt

Und es geht immer weiter bergab. Solange bis wir die Südflanke unterhalb des Pico Jorge erreichen. Vor dem Aufstieg brauchen wir eine längere Pause. Von hier aus lässt sich der Weg durch den Ginster und das Steinfeld schön zurückverfolgen.

im Hintergrund das Felsmassiv des Pico Grande aus nördlicher Sicht

Die Brandschäden vergangener Jahre sind noch deutlich sichtbar. Der Pfad verschwindet in diesem Bereich vielfach unter krautigem Bewuchs. Erst direkt unter der Felswand geht es eindeutig, aber sehr, sehr steil nach oben. Zuerst kommen Felsstufen, die meinem Beinmaß überhaupt nicht entsprechen. Dann folgt ein rutschiger Erdweg. Jeder Schritt muss geprüft werden, ob der Fuß auch stehenbleibt. Fürs Ausruhen findet sich kaum ein sicherer Stand, das Gefühl hintenüber zu kippen ist allgegenwärtig. Diese Passage ist definitiv eine Strapaze. Wir brauchen fast anderthalb Stunden für 1000 (Längen) Meter!

noch lässt sich der Weg zwischen den Farnen erkennen

Basaltwände mit Felsentor


Aufstieg zum Pico do Jorge

jetzt fehlen nur noch wenige Meter im Steilhang

Wie glücklich sind wir doch, als wir endlich den Höhenweg der Vereda da Encumeada erreichen. Wir steigen in östlicher Richtung am Nordhang um den Pico do Jorge herum. Wie lieblich er uns erscheint, mit all den vielen Blumen. 

Vereda da Encumeada mit Blick auf Paúl da Serra





eine der vielen Basaltstein-Naturmonumente

Blick auf den Pico Ruivo

Das sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Strecke kein Spaziergang ist. Rauf und runter, mehrmals die Kammseite wechselnd nähern wir uns langsam der Boca das Torrinhas und damit dem endgültigen Abstieg zurück ins Nonnental.




Der Weg beginnt ganz beschaulich, doch nach etwa 100 Hm kommen wir in einen trostlosen Eukalyptuswald. Erstaunlich, wie müde die Beine werden, wenn es weder Eindrücke noch Ausblicke gibt. Also verlassen wir den eigentlichen Pfad und damit den Wald, sobald sich eine Möglichkeit ergibt und gehen den Hang durch Wiesen und zwischen den Feldern an den kleinen Levadas hinunter. Kurz vor der Straße treffen wir wieder auf den PR 2 und dann ist es nur noch ein Kilometer auf der Straße durchs Dorf hinunter.



Nach 9 1/2 Stunden haben wir unsere Königstour 2017 glücklich beendet.



Fazit: muss man mal gemacht haben, solange die Physis es noch hergibt. Die Abstiege setzen den Knien ziemlich zu. Und der Anstieg zum Pico do Jorge ist mehr als anstrengend.

Wichtig: nicht alleine und nur bei verlässlich gutem Wetter gehen. Mindestens 2 Liter Wasser mitnehmen, besser mehr.

Gehzeit: 9 h 30 mit drei Pausen




Anfahrt: Funchal - Curral das Freiras (nicht ins Zentrum abbiegen) - nach zwei Tunnel gibt es an der Kreuzung Colmeal eine Bar mit vielen Parkplätzen